Unter dem Namen Tilapia (frz. tilapia – it. tilapia) werden an die 1.000 verschiedene Arten von in Afrika, Südamerika und Asien verbreiteten Buntbarschen zusammengefasst.
Jenseits der Grenzen ihrer ursprünglichen Heimatregionen waren sie bislang kaum bekannt. Auch zu Beginn des 3. Jahrtausends haben sie bei den hiesigen Fischhändler (noch) den Status von Exoten. Laut Hamburger »Fischinformationszentrum« exportierte Taiwan 1997 rund 1.650 Tonnen nach Europa, ganze 5 Tonnen davon landeten auf deutschen Tellern (zum Vergleich: die USA importieren jährlich 56.000 Tonnen und in Israel – ursprünglich stammt er aus dem Nil – gilt der hier in Kibbuzim gemästete Tilapia als populärster Fisch überhaupt).
Da aber die Überfischung der Meere offenbar selbst mit Fangstopps kaum mehr aufzuhalten sein wird, ist anzunehmen, das Fisch aus Aquakulturen immer mehr Marktanteile erobern wird. Neben Lachs aus Norwegen und Schottland, Dorade und Wolfsbarsch aus Spanien und Griechenland kommen vermehrt (siehe u.a. auch
Pangasius) Exoten ins Land.
Denn auch der Tilapia bzw. die größeren Arten der Familie werden seit Jahrzehnten in Afrika, Asien und Südamerika gezüchtet. Zum einen, weil es sich hierbei um eine günstig zu produzierende Eiweißquelle für die einheimische Bevölkerung handelt, zum andern, weil der Export (Taiwan etwa exportiert 70% seiner Produktion) dringend benötigte Devisen in Emerging Markets bringt.
Was den Tilapia für die Zucht geradezu prädestiniert, ist seine Anspruchslosigkeit. Gegen Krankheiten zeigt er sich erstaunlich resistent, Wassertemperaturen zwischen 20 und 30° und pflanzliches Futter lassen ihn schnell heranwachsen, die bereits sechs Monate nach der Geburt geschlechtsreifen Tiere vermehren sich zudem 6-8 Mal pro Jahr!
Überdies wird die Zucht dieser Spezies in den Tropen und Subtropen durch zahlreiche Organisationen der Entwicklungshilfe gefördert.
Wenn allerdings der »Förderkreis Tilapia Niederrhein e.V« die Vorzüge dieser Art der Aquakultur mit den Worten »Der Tilapia ernährt sich von Küchenabfall, Dung, Reisspreu, Gras, Laub, Wasserpflanzen, praktisch von allen organischen Stoffen.« anpreist, so scheint mir der kulinarische Wert (obgleich ich bislang keines dieser Tierchen auf dem Teller hatte) zumindest zweifelhafter Natur.
Die Alternative – zumindest für den Export – ist High-Tech-Produktion nicht in Entwicklungs-, sondern Schwellenländern: »To produce tilapia in a cost effective manner, production systems must be capable of maintaining proper levels of these water quality variables during periods of rapid fish growth. To provide for such growth, tilapia are fed high protein pelleted diets at rates ranging from 1.0% to 30% of their body weight per day depending upon their size and species.« (AquaSol Inc. 2003) … Auch das wahrlich nicht unbedingt verlockende Ausssichten.
100 gr. Tilapia enthalten 93 kcal. (390 kJ), 19,5 gr. Eiweiß und 1,0 gr. Fett.


Das Fisch-Lexikon der »Deutsche See«