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Renke – Felchen – Maräne

Renke
 

Nur in ebenso tiefen wie klaren und kalten Seen fühlt sich die Renke (frz. corégone blanc – it. coregone bianco) – auch Felchen oder, in Norddeutschland, Maräne genannt – wohl. Obgleich ihre Bestände etwa im Bodenssee während der vergangenen Jahre zusehends schrumpfen, war und ist sie dort und andernorts die Haupteinnahmequelle der ansässigen Fischer.

Dass sie – zumindest jedoch das Bodenseefelchen – vormals deutlich zahlreicher vertreten war, berichtet eine vom Ende des 19. Jahrhunderts in Wien erschienenden »Appetitlexikon« wiedergegebene Fußnote der Geschichte: »Im September 1865 widerfuhr einigen tausend Felchen die sonderliche Ehre, den süßen Tod fürs Vaterland zu sterben, in dem bei einer Schießübung der Schweizer Artillerie eine volle Salve in den See und in einen dichtgedrängten Zug von Felchen einschlug. Es sollen bei dieser Gelegenheit an 4000 Fischhelden oder Heldenfische den Tod gefunden haben zur großen Freude der biedern Konstanzer und zur tiefsten Betrübnis der braven Artilleristen, die bereits abgerückt waren, als dies Ereignis ihrer Bemühungen bekannt wurde.«

Als Familienmitglieder der Coregonidae ähnelt Renke, Felchen und Maränen aufgrund der Fettflosse den Salmoniden, den Lachsen, Forellen, Saiblingen und anderen mehr. Doch ist ihr Körper deutlich gedrungener, ihre glänzenden Schuppen sind größer und folglich vor der Zubereitung von der Haut zu entfernen.

Renken wie Maränen sind Relikte der ausgehenden Eiszeit, sie verblieben in den Seen der Holsteinischen Schweiz und Süddeutschlands als sich die Mäander langsam zurückzogen und sie damit quasi einkesselten.

Im brandenburgischen Stechlin-See wurde in 2003 übrigens eine Maränen-Art entdeckt, die einzig hier vorkommt. Sie koexistiert mit der »normalen« Maräne, bevölkert jedoch andere Lebensräme.

Die »Coregonus fontanae« – so genannt, da Theodor Fontane dem See sein gleichnamiges Epos widmete - vom Volksmund auch »Quietschbauch« genannt, ist aufgrund ihrer geringen Größe (obgleich am See als Räucherfisch angeboten) sowohl für die Fischerei wie auch für den Genießer unbedeutend.

Nicht jedoch für die Biologie. Könnte dieser Fisch doch ein Dogma der Evolutionstheorie ins Wanken bringen: Ging man nämlich bislang davon aus, dass zur Entwicklung neuer Arten einzig bei Isolation von der Population stattfinden kann und zum anderen sich über lange Zeiträme erstreckt (diese und andere Hypothesen der Evolutionsbiologie werden übrigens brilliant beschrieben von William H. Calvin: Der Strom, der bergauf fließt; München 1994), kann die Spezies der Stechlin-Maräne sich erst während der vergangenen 12.000 Jahre herausgebildet haben.

Größer als 50 cm. werden Renken und Maränen kaum, bringen bei dieser Größe dennoch stattliche 2 kg. auf die Waage.

Ihr ebenso festes wie helles und wohlschmeckendes Fleisch ist für die feine Küche geradezu prädestiniert. Einfach in Butter gebraten bietet sie bereits ein unerwartetes kulinarisches Vergnügen. Ebenfalls gedämpft auf Gemüsejulienne.

Auch geräuchert wird sie am Bodensee wie an der Holsteinischen Seenplatte angeboten und ist geräucherten Forellen zumindest ebenbürtig.

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