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Hecht

Hecht
 

Der Hecht (frz. brochet – it. lucio) genießt den (zweifelhaften) Ruf, der wohl verfressenste aller einheimischen Raubfische zu sein. Ein Ruf, den der Volksmund weiterhin mit der Metapher vom Hecht im Karpfenteich am Leben erhält.

Jedes Sprichwort birgt bekanntlich ein Körnchen Wahrheit – aber mehr noch eine gehörige Portion an Vorurteilen. Wenn dem nämlich realiter so wäre, würde sicher kein Teichwirt Hechte zu seinen Karpfen setzen. Vielmehr kommt ihnen die Aufgabe zu, unverkäufliche Weißfische (eingeschleppt als Laich durch Wasservögel oder als Jungfische durch die Zuflüsse der Teiche), die den Karpfen die Nahrung streitig machen, kurz zu halten.

Der eigentliche Hecht für mitteleuropäische Teichwirte und Fischer: Das ist längst – den Vogelschützern sei’s gedankt! – der Kormoran mit seinem unstillbaren Appetit.

Doch auch ist das Äußere eines Hechtes angetan, Vorurteile zu schüren: Sein torpedoförmiger Körper, sein an einen Schnabel erinnerndes, an Ober- und Unterkiefer mit je einer doppelten Zahnreihe Maul und seine Jagdtaktik, das Auflauern der Beute aus dem sicheren Versteck, um sie sodann blitzartig an der Flanke zu packen, machen ihn wahrlich nicht gerade sympathisch.

Der »große, alte Mann des Mains« (Frankfurter Rundschau vom 7. August 1996), damals noch zweiter Zunftmeister der Fischerzunft Seligenstadt, Adolf Burkard, erzählte von einer nicht gerade angenemen Begegnung mit dem Esox, so der lateinische Name des Hechtes, von einem Missgeschick, dass im widerfuhr, als er in der anbrechenden Dunkelheit einen Hecht dem Netz entnehmen wollte: Ein kurzer Moment der Unachtsamkeit, und der kapitale Kerl hatte sich in seine Hand verbissen. Die kleine Bisswunde brauchte lange, um endlich wieder abzuheilen.

Zwar ist der Hecht im Alter als Einzelgänger ein reviertreuer und eher träger Fisch. Doch mit leeren Magen entfaltet er geradezu athletische Eigenschaften: Schießt er auf seine Beute zu, beschleunigt er binnen nur einer Sekunde aus dem Innehalten auf rasante 40 km/h!

In der Küche zeigt er sich ähnlich widerspenstig: Seine mit regelrechten Widerhaken ausgestatteten Stützgräten verlangen dem Koch viel Fingerspitzengefühl ab. Es sei denn, er hat sich entschlossen, eine der feinsten Zubereitungsarten des Räubers zu wählen, die Quenelles de brochet, Hechtklößchen also.

Zwar erreicht der Hecht mühelos Gewichte von 8 und mehr Kilo. Doch sind die kleinen Burschen, die grünlich schimmernden, einjährigen Grashechte mit maximal 1000 gr. am schmackhaftesten. Alles was mehr als drei Kilo auf die Waage bringt, hat in der Küche nichts mehr zu suchen.

Übrigens: Die Filigranarbeit mit der Pinzette, um hundertprozentig grätenfreie Filets zu erhalten, wird durch ein sehr feines Fleisch mit einzigartigem Aroma entschädigt.

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