In Europa leben zwei Arten des Stints, der zu den lachsartigen Fischen gerechnet wird: der Seestint und der Binnenstint. Ersterer kommt im nördlichen Atlantik und in der Ostsee vor, während der Laichzeit im Frühjahr ziehen die Stinte in großen Schwärmen ins Brackwasser der Flussmündungen, der Binnenstint findet sich vornehmlich in den tiefen Seen Nordeuropas, er wird nicht größer als 20 Zentimeter.
Der bis zu 30 Zentimeter lange (dann freilich hat er bereits mehr als 6 Jahre auf dem Buckel), schlanke und fast durchscheinende Seestint hat eine spitze Schnauze und kräftige Zähne. Fischereiwirtschaftlich ist er kaum von Bedeutung, doch wird er – besonders in Norddeutschland – zur Laichzeit häufig angeboten.
Er sollte stets fangrisch zubereitet werden, da sein Fleisch schnell verdirbt. Wohl aus diesem Grund war auf ostpreußischen Straßen nicht selten folgender Spottreim zu vernehmen: »Stint, Stint, Stintfisch / Stinkst schon, wenn du lebendig bist.« Der Gastrosoph Brillat-Savarin hingegen lobte den in Provençeöl gebackenen Stint mit den Worten »Der Stint ist die Baumlerche der Gewässer: Dieselbe Klarheit, dieselbe Feinheit, dasselbe Parfum«. Mir scheint letzteres zutreffend!
Zwar scheiden sich die Geister an seinem gurkenähnlichen Aroma, mehliert oder paniert gebraten und leicht säuerlich abgeschmeckt, schmecken der Stint am besten; mindestens 6 Exemplare sollten es pro Esser schon sein, sind doch die handelsüblichen Stinte kaum größer als kleine Sardinen. Und die ganz kleinen, von denen schon mal 30 auf ein Pfund gehen, ist nicht nur die Menge entsprechend anzupassen, sondern es erübrigt sich ebenfalls – zartbesaitete Gäste werden damit freilich ihre Schwierigkeiten haben –, sie zu vor dem Braten köpfen und auszunehmen!



Die vergessene Delikatesse