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Hoki

Hoki
 

All zu lange ist er in Europas Küchen noch nicht zu finden. Doch breitet er sich seit Beginn der neunziger Jahre unaufhaltsam in Kühltruhen, Restaurants und vor allem Kantinen aus.

Die Rede ist vom Hoki (frz. hoki – it. hoki), einem dem atlantischen Seehecht verwandten Räuber, der in den Gewässern um Neuseeland herum mittels Schleppnetz-Fischerei gefangen wird und in englischsprachigen Ländern auch als »blue grenadier« bekannt ist.

Eine weitere Art, ebenfalls unter dem Namen Hoki gehandelt, bewohnt die Küsten Südafrikas, Nordamerikas, Argentiniens und Uruguays. Ihn bekommt man hierzulande freilich nur gut versteckt zu Gesicht – in Form von Fischstäbchen oder Schlemmerfilets.

Doch auch der neuseeländische Hoki wird so gut wie nie frisch oder gar im Ganzen angeboten: Kein Wunder bei den Entfernungen und Flugstunden. Für den Massenkonsum drückt jedes Gramm weniger die Transportkosten. Und gefrostet lässt sich der Bursche zudem problemlos verschiffen.

Der neuseeländische Hoki wird in Tiefen von 600 und mehr Metern mit Schleppnetzen gefangen. Seine durchschnittliche Größe beträgt 60 bis 100 cm, dabei erreicht er ein Gewicht von ca. 1,5 kg. Ein Alter von 20 und mehr Jahren ist keine Seltenheit.

Sei hohes Alter bedeutet jedoch auch, dass bei einer Geschlechtsreife, die zwischen vier und sieben Jahren erreicht wird, bei Fischzügen mit vor PS nur so strotzenden Trawlern und Schleppnetzen von gigantischen Ausmaßen eine Überfischung theoretisch vorprogrammiert ist.

Theoretisch. Praktisch vielleicht doch nicht ganz.

Denn als erste Beute der ökologisch wahrlich nicht gerade verträglichen Grundfischerei mit Schleppnetzen schmückt sich der neuseeländische Hoki mit einem Zertifikat, das gemeinsam vom WWF (World Wide Fund for Nature) und dem Unilever-Konzern ins Leben gerufen wurde. Das MSC-Logo. MSC steht für »Marine Stewardship Council«. Er hat sich zur Aufgabe gemacht, die Überfischung der Meere durch die Anerkennung von Formen der Fischerei, die eine Erholung der Bestände begünstigen bzw. ihren Fortbestand erst gar nicht gefährden, zu begrenzen.

Daher wird die jährliche Fangquote nach einer Formel bemessen, die eine Gefährdung der Bestände ausschließen soll. Anfang des 3. Jahrtausends belief sie sich in Neuseeland auf 200.000 Tonnen p.a.

So eine nachhaltige Hochseefischerei mit Netzen, deren Öffnung das Ausmaß eines Fußballfeldes erreicht, überhaupt möglich ist. An diesem Punkt ganz dem Sarkasmus Winston Churchill’s folgend, der keiner Statistik meinte trauen zu können, die er nicht selbst gefälscht habe.

Anlässe zu Skepsis gibt es mehrere: Zum einen existieren nicht wenige Stimmen, die behaupten, das Maximum zur Garantie der Bestände läge bei 150.000 Tonnen. Zum anderen ist da der auch hier nicht zu kontrollierende »Beifang«: Gleich ob wertlos oder nicht, er geht entweder über Bord oder landet in den Fischmehl-Fabriken.

Schlussendlich handelt es sich beim Unilever-Konzern um den größten global player unter den Fischverarbeitern (Markenname »Iglo«): 10 Prozent des Fanges wandern bereits heute in die Produktion des nicht nur in Japan stark nachgefragten Krebsfleisch-Imitats Surimi. Zudem »verwurstet« Unilever seit einigen Jahren auch Hokifleisch für Fischstäbchen und Schlemmerfilet …

Wer – aus welchen Gründen auch immer – meint, auf Tiefkühl-Ware zurückgreifen zu müssen, trifft mit dem Hoki sicherlich nicht die schlechteste Wahl.

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