Nachdem ich im Frühjahr 2005 mehrmals den »Adlerfisch« (frz. maigre – it. Bocca d’oro) in der Frankfurter Kleinmarkt-Halle sah, machte ich mich ein wenig kundig. Gaben doch meine – zugegebenermaßen etwas betagten Bücher - keine Auskunft über diesen mir bislang unbekannten Meeresbewohner.
Kein Wunder, berichtete doch die »Allgemeine Hotel- und Gaststättenzeitung«, er werde erst seit Ende Juni 2004 auf dem deutschen Markt feilgeboten.
In der Charente freilich zählt der Adlerfisch bzw. die Maigre längst als kulinarische Konkurrenz des
Wolfsbarsches und wird ebendort sowie auf Korsika erfolgreich in Aquakulturen aufgezogen.
Gefangen wird er ebenfalls vor allem in dieser Region – wenngleich sich sein eigentliches Verbreitungsgebiet von der bretonischen bis zur marokkanischen Küste erstreckt. Es handelt sich hierbei um einen Räuber, der sich vorwiegend von Sardinen, Sardellen, Wolfbarsch, Meeräschen sowie kleineren Doraden und Schellfischen ernährt. Wobei das Attribut »klein« eher relativ ist: Erreicht doch ein ausgewachsener Adlerfisch eine Länge von annähernd 2 Metern sowie ein Gewicht von gut 60 Kilogramm.
Von den Fischern aus La Rochelle, La Cotinière und Royan wird er – gleich dem Wolfsbarsch – mit der Langleine gefangen und bekommt vor dem Verkauf das Prädikat »Signé Poitou-Charentes« in die Kiemen geheftet …


