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Zutaten: |
1 Paket Grüne-Soßen-Kräuter (gewaschen und kleingewiegt)
Für Nicht-Frankfurter: Sauerampfer, Kerbel, Schnittlauch, Petersilie, Pimpernelle, Kresse, Borretsch 2 hartgekochte Eidotter 3 El. Weinessig 6 El.Öl 1 Tl. mittelscharfer Senf 3 El. süße Sahne (oder auch Crême fraîche oder Sauerrahm) 1 kleine Zwiebel in Würfeln Salz und Pfeffer |
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Zubereitung: |
Mit der »Grie Soß« sei es – so behauptete die stets überaus politisch korrekte »Frankfurter Rundschau« am 14. März 1996 – wie mit dem Ebbelwei: Man mag sie oder man lehnt sie ab. Wahre Gourmets, so die FR weiter, jedenfalls greifen jetzt wieder doppelt gern zu, wenn, vor allem in der Karwoche, die Frankfurter Spezialität an Marktständen und in den Läden angeboten wird, verpackt in die großen, hellen Papierrollen, die für längere Frische des Inhalts sorgen. Meist kommt sie aus Oberrad. Und zwei Rezepte sind aufgedruckt – aber nicht das »von Goethes Mutter«; die kannte die in der Mitte des letzten Jahrhunderts aus Italien eingeführte Spezialität ja noch gar nicht. In der Karwoche, zum Ende der Fastenzeit, schmeckt die geballte Ladung an Vitaminen passend zu hartgekochten Ostereiern. Beliebt ist die Scheibe mageren Rindfleisches (»Tafelspitz«) als Beilage. Dazu neue Salzkartoffeln: ein Gedicht. Unter Frankfurtern ist es immer wieder eine Herausforderung, die sieben Kräuter aufzuzählen: Petersilie und Schnittlauch, das wissen noch alle. Doch dann fängt schon das Raten an: Kerbel, Kresse, Pimpernelle, Borretsch und Sauerampfer gehören dazu. Keinesfalls die Kräuter (sie müssen gut gewaschen und gesäubert sein, die dicken Stängel am besten wegschneiden) mit dem Mixer oder anderen elektrischen »Häckslern« zerkleinern. Das haut sozusagen die Vitamine kaputt. Nein, da ist teils mühsame Handarbeit mit scharfem, langem Messer vonnöten, auf großem Küchenbrett, möglichst aus geachmacksneutralem Kunststoff statt Holz. Wer acht Gäste versorgen will, braucht drei Packungen. Sie mit dem Wiegemesser ganz fein zu hacken ist an sich Männerarbeit. Apropos Männer: Manche Frauen meinen, ihre Beziehung mit Hilfe der »anregenden« Grie Soß ebenfalls etwas »auffrischen« zu können. Denn, so die Chronisten, dieses »Lebenselexier« aus Kräutern sei nicht nur etwas für Magen und Gaumen, sondern auch eine Angelegenheit des Gemüts. Besonders in der »Weihezeit« der Karwoche wurde den sieben Gewächsen eine ungeahnte Heil- und Segenswirkung zugeschrieben. Eines ist noch wichtig: Die fertige Grie Soß, etwa nach dem hier abgedruckten Standard-Rezept, sollte kühl auf den Tisch kommen. Was die Zutaten angeht – mit Joghurt kommt halt leider kein so toller Geschmack zustande, da sind Sauerrahm, auch Crème Fraîche oder süße Sahne besser -, so behält Mundartdichter H.P. Möller recht: »Da gibt's nadierlich Variante: Am beste frache Se Bekannte!« Für die Zubereitung Eigelb durch ein Sieb streichen, mit Zwiebelwürfeln, Essig, Senf, Salz, Pfeffer, etwas Zucker und Öl eine Soße rühren. Die gehackten Kräuter zugeben, das Eiweiß in feine Würfel gehackt unterziehen und nach Geschmack süße Sahne oder Crème Fraîche zugeben. ![]() Soweit das Lokalkolorit. – Ein wenig feiner und differenzierter wird es, nimmt man vom Kräuterbund einzig die Blätter. Diese werden in der Moulinette, dem Fleischwolf (nicht allein der Farbe wegen!) oder auch mittels Wiegemesser mehr oder minder zerkleinert. Zwei Drittel Olivenöl und ein Drittel Weißweinessig mit Salz und Pfeffer herzhaft abschmecken. Die Kräuter dazu geben und in einem Schraubglas aufschütteln, bis eine cremige Konsitenz erreicht ist. Eine »Grie Soß« dieser Art – angelehnt an die »Salsa verde«, die römische Legionäre im Marschgepäck über die Alpen brachten und die nicht wenige für die eigentliche Ahnherrin der »Grie Soß« halten – begleitet Hähnchenbrust, Kaninchenfilets und sogar pochierte Fische aus dem Mittelmeer vorzüglich. Von gebeizten Fischen ganz zu schweigen. Auch der eher bodenständigen gepökelten und gekochen Rinderbrust verleiht sie ein mediterranes Flair! – Nur: wo in Frankfurt gibt's noch Rinderbrust, die vor dem Kochen gepökelt wurde? Unregelmäßig und auf beharrliches Nachfragen der Stammkundschaft in der Metzgerei Arrabin im Grüneburgweg am Rand des östlichen Westends. |




Das »Frankfurter Grüne Sosse Festival«